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Wer hat eigentlich gesagt, ein Stammtisch müsse
immer am selben Platz stattfinden? Unsern Ernscht? Vielleicht ist er da ja auch nur durch und durch Profi.
Aber letzten Sonntag konnte er sich nicht durchsetzen gegen seine lieben Freunde. Als sie nämlich
bei ihrer letzten Runde an sich herunterschauten, und Wolfgang gerade so noch seine großen Zehen
sehen konnte (er trug seine offenen Sandalen einmal ohne Socken!), da war klar, daß sie etwas tun
müssen. Sicherheitswoche-Saukopfrennen-Tunnelfahren-Polizeifest-Bierchen zischen. Der Plan versprach
körperliche Ertüchtigung, Unterhaltung und leibliches Wohl gleichzeitig. Wir blenden uns jetzt
ein beim mobilen Stammtisch, Bahnhofsvorplatz 15.00 am Sonntag.
Wolfgang: Oh, liewe Leit, was bin isch als noch so fertisch. Hea, wa des ostrengend.
Hans-Jürgen: Aber schön war´s. So viele Menschen und alle in einer Fahrtrichtung.
Karl-Heinz: Ja, dieser Tag hat mir auch gezeigt, daß wir das Einbahnstraßenkonzept
forcieren müssen.
Maria-Dorothee: Und die Autos müssen alle den Motor abschalten, wenn sie von Nieder-Liebersbach
zur Westtangente rollen.
Wolfgang: Seid Ihr druff oder was? Wie soll isch en donn zu moim Kumpel noch Nidderliwwerschbach
kumme? Üwwer de Buckel vielleischt? Den heww isch heit schunn net gepackt mit dem Suppermauntebeik
vumm Schorsch.
Jürgen: Wie kommst Du denn heute zu Deinem Kumpel?
Wolfgang: Der hot doch die gonz Zeit in Woinem gewohnt unn vor zei Joar ä Grundstick do owwe
gekaaft, wall sem versproche hawwe, daß der Tunnel gonz schnell fertisch werd. Unn vorges Johr hatters
donn geglaabt un gebaut. Unn jezz telefoniern mer bloß noch ab un zu.
Manfred: Aber mit den heutigen technischen Möglichkeiten, Videokonferenzen über das Internet
oder über ISDN, sollte es doch möglich sein, daß Ihr euch wenigstens mal seht, oder?
Wolfgang: Oh, isch mach en dicke Haufe uff die Teschnik. Do hoscht enezwonzisch Gäng unn kummscht
nettemol so en Hiegel ruff.
Ernscht: Do hebbt er noch was zu trinke. War jo supper ostrengend. Wo bleibt en bloß der
Dieter?
Maria-Dorothee: Also, ich fuhr noch neben ihm durch den Tunnel, als Dieter bremste und sagte:"Tunnelrave."Ich
nehme an, er meinte eine dieser Tanzveranstaltungen für Jugendliche, die durch Menschenmassen und
laute Musik das ganze Ökosystem durcheinanderbringen.
Hans-Jürgen: Aber die jungen Menschen finden zueinander und alles ist friedlich.
Wolfgang: Wie, friedlisch? Kenne mer donn net die Hundestaffel, die wo mer vorhin gsehn hawwe,
oisetze?
Ernscht: Odder den Polizeireiter. Hea, is der abgonge (Für die Daheimgebliebenen: Die Heidelberger
Schutzhundestaffel hat am Sonntag einer staundenden Öffentlichkeit eine Weltneuheit im Kampf gegen
die Kriminalität vorgestellt, den Polizeireiter. Da Pferde teuer und recht sperrig sind, haben die
findigen Kollegen kurzerhand eine täuschend echt aussehende Attrappe en miniature auf einem ihrer
Hunde befestigt. Dieser Hund war in der Lage durch die furchteinflößende Wirkung seines Reiters-es
handelte sich hier wohl um eine modifizierte Handpuppe- die Zielperson zu stellen, zu verbellen und letzlich
auch durch Zufassen zu immobilisieren.- Die Red.)
Karl-Heinz: Ja, ich muß schon sagen, daß sich die Kollegen von der Polizei wirklich
außerordentlich Mühe gegeben haben. Die musikalische Umrahmung, das Kartfahren, die Erinnerungsfotos
und das Fingerabdrucknehmen.
Manfred: Eine ziemlich veraltete Technik. Ich habe schon angeregt, daß nächstes Jahr
Blut abgenommen wird. Damit läßt sich dann ein genetischer Fingerabdruck herstellen.
Jürgen: Also, Manfred. Ich bin schockiert. Das wäre ja gerade so, als würden wir
das Bankgeheimnis abschaffen.
Wolfgang: Ajo, mache mer des doch grad zsamme. Des reduziert jo donn die Kriminalität inklusive
Steierhinnerziehung und net bezaalter Alimente quasi uff null.
Ernscht: Des konnscht a nur Du wolle. Du kriegsch jo eh koni me ab un Schotter hascht a net.
Karl-Heinz: Ernst, gibt es irgend etwas, was Du uns mitteilen möchtest?
Ernscht: Uffbasse, Karl-Heinz. sunnscht erzähl isch denne die Story vum Heizöl mit dem
Du immer Doin 200er Diesel vollgemacht hoscht Awwer mol was gonz onneres: Hot ener vun Eisch heit schun
de Albrescht gsehn?
Manfred: Der hat mich gestern abend noch angerufen. Der ist heute beim Feuerwehrwehrfest in Hemsbach.
Er sagte noch, daß da viele Demonstrationen mit Einbeziehung der Bevölkerung geboten werden
würden, wie z.B. Abseilen von der Drehleiter, Löschen und Hantieren mit Schneidgerät.
Hans-Jürgen: Das klingt ja toll. Und das ist bestimmt nicht so gefährlich wie in Dieters
Abenteuerland.
Ernscht: Hebt er des grad geheert. Do hinne hot oner gesaacht, es tät do gleisch e attraktive
Aufprallsimulation gewwe. Ge mer mol gugge?
Wolfgang: Bischt Du verrickt? Mit fünf Bier im Kopp? Hinnerher bischt Du noch schuld. Donn
gehe mer doch liewer am Dienschtag ins Rolf-Engelbrescht-Haus, do geht des alles unner Uffsischt.grrr,grrr,grrr
An dieser Stelle müssen wir uns leider verabschieden. Die Profis von der Polizei haben unsere mobile
Abhöreinrichtung entdeckt und unbrauchbar gemacht. Was folgte, war eine zweistündige Vernehmung
unserer Freunde unter Mitwirkung des Verfassungsschutzes. Gegen 17.00 war es dann aber so weit, daß
der Verdacht der organisierten Kriminalität ausgeräumt werden konnte und unsere Freunde waren
wieder auf freiem Fuß.
Und die Leute von woinem.de werden versuchen, während der Sicherheitswoche
weiterhin Erkenntnisse zu sammeln, damit so etwas mit Sicherheit nicht mehr passiert.
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Was bis jetz bassiat is:
Folge 8:
Inkognito
Folge
7:
All fort !
Folge
6:
Sicherheit
Folge
5:
Ausgewählt
Folge
4:
Kataschtrofe
Folge
3: Alkohol
Folge
2: Albrescht hat die zündende Idee
Folge
1: Die Studente sin do!
Die
Akteure
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